Im Rahmen des Lehrauftrages von Dr. Burkhard Peter über "Hypnose: Empirische Befunde, Thesen und Implikationen" an der Ludwig Maximilians Universität München wurden folgende Untersuchungsgegenstände bearbeitet, die teilweise von der MEG-Stiftung finanziert worden sind:

 

1. Hypnotische Armlevitation

Die Technik der Armlevitation hat mich (B. Peter) während unseres Studien-Aufenthaltes bei Milton H. Erickson 1978 (zusammen mit meiner Frau Alida Iost-Peter und meinem Kollegen Wilhelm Gerl) sowohl zur Trance-Induktion als auch für verschiedene andere Anwendungen wie z.B. dem ideomotorischen Signalisieren sehr fasziniert. Seitdem benutze ich sie häufig in Therapie und Ausbildung. Patienten und Ausbildungsteilnehmerinnen sitzen manchmal sehr lange Zeit mit erhobenem, frei schwebendem Arm, ohne dabei Anstrengung zu empfinden. Ist das nur ein Compliance- oder ein echtes“ Trance-Phänomen? Zeigen sich Unterschiede in der Muskelspannung zum willkürlichen Armheben und -halten? In mehreren Studien gingen wir dieser Frage mit Hilfe der Elektromyographie und der elektrodermalen Reaktion nach. Weil Armlevitation mit diesen psychophysiologischen Mitteln noch nicht untersucht worden ist – zumindest konnten wir keine veröffentlichten Ergebnisse finden –, handelt es sich dabei um sog. exploratorische Studien. Unsere Ergebnisse sind in den folgenden Artikeln veröffentlicht:

  • Peter, B., Schiebler, P., Piesbergen, C., & Hagl, M. (2012). Elektromyographische Untersuchungen zur hypnotischen Armlevitation. Unterschiede zwischen willkürlichem Armheben und unwillkürlicher Armlevitation. Hypnose-ZHH, 7(1+2), 99-124.

Hauptergebnis: Während der hypnotischen Armlevitation war die Gesamtmuskelaktivität im rechten Arm um 13% (p < .008), die Aktivität des Deltoideus um 27% (p < .001) niedriger als beim willkürlichen Halten des Armes ohne Hypnose. Die hypnotische Armlevitation wurde von den Probanden als weniger anstrengend empfunden (p < .027).

  • Peter, B., Piesbergen, C., Lucic, T., Staudacher, M., & Hagl, M. (2014). Zur Rolle der taktilen Unterstützung bei der Armlevitation. Hypnose-ZHH, 9, 83-16.

Hauptergebnisse: Gut die Hälfte der Vpn benötigen keinerlei initiale taktile Unterstützung zur Armlevitation, die restlichen – bis auf 2 – konnten nach kurzer taktiler Unterstützung die Armlevitation ebenfalls selbständig, wenn auch mehr oder weniger gut, realisieren. Jene ohne taktile Unterstützung gingen schneller in hypnotische Trance, schätzten diese tiefer ein und erlebten dabei mehr Unwillkürlichkeit; die Werte ihrer elektrodermalen Aktivität (EDA) waren höher als die EDA-Werte jener Vpn, die manchmal oder immer taktile Unterstützung benötigten. Die höhere EDA wird als größere physiologische Aktivierung gedeutet, welche für hypnotische Armlevitation in einer Art „Achtsamkeitshypnose“ nötig ist im Gegensatz zu einer reinen Entspannungshypnose.

 

2. Arbeits- und Persönlichkeitsprofile von Hypnoseanwendern

Es ist kaum untersucht, was einen guten Therapeuten ausmacht, und es ist überhaupt nicht untersucht, was einen guten Hypnotiseur oder Hypnotherapeuten auszeichnet. So haben wir die Mitglieder professioneller deutschsprachiger Hypnosegesellschaften mit Hilfe des Persönlichkeits-Stile- und -Störungs-Inventars (PSSI) hinsichtlich Persönlichkeitseigenschaften und mit Hilfe eines eigenen Fragebogens zu ihrem Arbeitsprofil befragt. Da es zwar viele Vermutungen aber offensichtlich keine wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema gibt, ist auch dies eine Pilotstudie. Die Ergebnisse sind in den beiden folgenden Artikeln veröffentlicht:

  • Bose, C., Peter, B., Piesbergen, C., Staudacher, M., & Hagl, M. (2012). Arbeitsprofile deutschsprachiger Anwender von Hypnose und Hypnotherapie. Hypnose-ZHH, 7(1+2), 7-30.

Hauptergebnisse: Hypnose wird von den 203 professionellen Teilnehmern der Studie insgesamt sehr häufig eingesetzt. Jeweils ca. 43 % der Befragten benutzen dabei ihren Klienten gegenüber explizit das Wort Hypnose, genau so viele tun das nicht. Etwa 90 % der Befragten schätzen sich selber als mittel bis hoch hypnotisierbar ein. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass überwiegend indirekte und vergleichsweise wenig direkte Techniken eingesetzt werden. Etwa 30 % geben an, die direkten Techniken nicht ausreichend zu beherrschen; Faktoren wie Sicherheit und Wohlbefinden, Angst vor Fehlern und Manipulation, eigene Erfahrungen, Überzeugung bzgl. der Vorteile sowie Erfolgserlebnisse beeinflussen die Anwendung direkter Techniken. Zwei Faktoren - erworbene Kompetenz durch fundierte Ausbildung und gute persönliche Erfahrungen - scheinen im Sinne einer Steigerung der professionellen Selbstwirksamkeit für den Einsatz direkter Techniken von zentraler Bedeutung.

  • Peter, B., Bose, C., Piesbergen, C., Hagl, M., & Revenstorf, D. (2012). Persönlichkeitsprofile deutschsprachiger Anwender von Hypnose und Hypnotherapie. Hypnose-ZHH, 7(1+2), 31-59.

Hauptergebnisse: Mittlere bis starke, jedoch klinisch nicht auffällige Effekte zeigten sich im Vergleich zu den Werten der Normstichprobe auf neun der 14 Subskalen des PSSI: unterdurchschnittliche Ausprägungen im eigenwillig-paranoiden (PN), zurückhaltend-schizoiden (SZ), spontan-Borderline (BL), selbstkritisch-selbstunsicheren (SU), loyal-abhängigen (AB), kritisch-negativistischen (NT), still-depressiven (DP) und im hilfsbereit-selbstlosen (SL) Stil sowie überdurchschnittliche Ausprägung im liebenswürdig-histrionischen (HI) Stil. Vergleiche zwischen den Berufsgruppen erbrachten signifikante Unterschiede auf fünf Subskalen: ahnungsvoll-schizotyp (ST), spontan-Borderline (BL), loyal-abhängig (AB), sorgfältig-zwanghaft (ZW) und hilfsbereit-selbstlos (SL), wobei sich vor allem die Zahnärzte und die psychologischen Psychotherapeuten voneinander unterscheiden. Die Ergebnisse können dahingehend interpretiert werden, dass die Anwender von Hypnose und Hypnotherapie fähig sind, (1) mit Patienten eine wertschätzende und vertrauensvolle therapeutische Beziehung einzugehen und aufrechtzuerhalten; (2) dass sie auf den Ressourcen der Patienten aufbauen; (3) dass sie aber auch in der Lage sind, aktiv lenkend einzugreifen, wenn es therapeutisch geboten ist.

Ein PSSI-Ergebnis erregte unsere besondere Aufmerksamkeit: Unter den befragten Hypnoseanwendern waren die Zahnärzte noch ganz normal hilfsbereit-selbstlos (SL), die Ärzte schon weniger, die ärztlichen Psychotherapeuten noch weniger und die psychologischen Psychotherapeuten nahe an der Grenze zur „pathologischen“ Nicht-Hilfsbereitschaft. Also verglichen wir die Persönlichkeitsprofile dieser 203 professionellen Hypnoseanwender mit den Persönlichkeitsstilen von 52 Studentinnen aus den Fächern Psychologie und Pädagogik, die an vorausgegangenen Hypnoseuntersuchungen teilgenommen und ebenfalls den PSSI ausgefüllt hatten. Als Ergebnis zeigte sich ein ähnlicher Profilverlauf mit zwei Unterschieden: 1. Während bei den Hypnoseanwendern relativ viele extreme Ausprägungen gefunden wurden, und zwar vor allem im Sinne von unterdurchschnittlich ausgeprägten Persönlichkeitsstilen, zeigten die Studentinnen gemäßigtere Profile und bewegten sich näher am Normdurchschnitt. 2. Es war sehr auffallend, dass die Studentinnen relativ hilfsbereit-selbstlos waren, während dieser Stil, wie gesagt, bei den Hypnoseanwendern signifikant unterdurchschnittlich ausgeprägt war. Dies könnte durch berufliche Sozialisationsprozesse zu erklären sein: Psychotherapeuten allgemein und speziell Hypnotherapeuten lehren ihre Patienten, die eigenen Ressourcen zu aktivieren. Veröffentlicht in:

  • Hagl, M., Piesbergen, C., Bose, C., & Peter, B. (2013). Persönlichkeitsstile von studentischen Teilnehmerinnen an Hypnoseexperimenten im Vergleich zu Hypnoseanwendern. Hypnose-ZHH, 8(1-2), 87-101.

3. Was bedeutet Hypnotisierbarkeit

Hypnotische Suggestibilität bzw. Hypnotisierbarkeit ist eine Persönlichkeitseigenschaft, die in der Bevölkerung - ähnlich anderen Persönlichkeitseigenschaften wie z.B. Musikalität - normalverteilt ist: ca. 20% sind niedrig, 60% mittel und 20% hoch hypnotisierbar. Dies haben auch wir mehrfach festgestellt, veröffentlicht beispielsweise in:

  • Piesbergen, C., & Peter, B. (2005). Was messen Suggestibilitätsskalen? Eine Untersuchung zur Faktorenstruktur der Harvard Group Scale of Hypnotic Susceptibility, Form A (HGSHS:A). Hypnose-ZHH, 0(1+2), 139-159.

  • Peter, B., Geiger, E., Prade, T., Vogel, S. E., & Piesbergen, C. (2015). Norms of German adolescents for the Harvard Group Scale of Hypnotic Susceptibility, Form A. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 63(1), 92-109

Die deutsche Version der Harvard Group Scale of Hypnotic Susceptibility, Form A (HGSHS:A) wurde 99 jugendlichen Gymnasial- und Realschülern im Alter von 15 bis 19 Jahren vorgespielt, um deren Hypnotisierbarkeit zu testen. Die Geschlechterverteilung war mit 57% Frauen und 43% Männern im Unterschied zu anderen Studien relativ ausgeglichen. Die erzielten Werte wurden mit denen aus 14 früheren Studien verglichen und zeigen keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich Verteilung, Mittelwert und Standardabweichung. Die Reliabilität war mit .67 sogar besser als die der früheren deutschen Studie von Bongartz (1985), was insgesamt zwar niedriger als die Reliabilitäten der in der Originalsprache durchgeführten Studien ist, aber durchaus vergleichbar mit anderen Studien in nicht-englischen Versionen. Bezüglich des Fliegen-Halluzinations-Items zeigt die vorliegende Studie die gleichen niedrigen Werte wie die anderen fünf Studien seit 2003. Einige Auffälligkeiten im Vergleich mit den anderen 14 zuvor durchgeführten Studien werden hervorgehoben. Es hat den Anschein, dass die HGSHS:A durchaus als valides und reliables Instrument zur Messung der Hypnotisierbarkeit auch für Jugendliche verwandt werden kann. Für diese Population war sie bislang nicht explizit getestet worden

3.1 Hypnotisierbarkeit und Bindung

In der Vergangenheit gab es sehr viele Untersuchungen zur Hypnotisierbarkeit u.a. auch mit dem Ziel, sie mit anderen Persönlichkeitseigenschaften in Zusammenhang zu bringen. Die Ergebnisse waren durchwegs ernüchternd. Es wurden zwar Zusammenhänge zu Persönlichkeitsaspekten gefunden, die mehr oder weniger im Kontext von Hypnose stehen wie z.B. Fähigkeit zur Absorption oder Imagination, die aber eigentlich keine eigenständige Persönlichkeitsmerkmale darstellen wie z.B. Intelligenz, Musikalität oder die sog. Big Five (Neurotizismus, Introversion/Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit). Immer wieder wurde in theoretischen und klinischen Erörterungen auch ein möglicher Zusammenhang zur Psychopathologie diskutiert. Also haben wir hierzu eine Reihe von Untersuchungen durchgeführt. Die erste stellte die Frage, ob Hypnotisierbarkeit mit Bindungsstilen korreliert:

  • Peter, B., Hagl, M., Bazijan, A., & Piesbergen, C. (2012). Hypnotische Suggestibilität und Bindung. Hypnose-ZHH, 7(1+2), 61-80.

Die Beziehungseinstellungen von 117 Studenten und Studentinnen wurden mit dem Relationship Style Questionnaire (RSQ) erfasst und mit ihrer hypnotischen Suggestibilität (HGSHS:A) in Zusammenhang gebracht. Teilnehmer mit eher unsicherem Bindungsstil zeigten eine höhere hypnotische Suggestibilität. Insbesondere zwei Skalen des RSQ korrelierten positiv, nämlich die Skala Angst vor Trennung und die Skala Fehlendes Vertrauen. Das hieße, hypnotische Suggestibilität gehört nicht ausschließlich zu den „positiven“ sondern eventuell auch zu den „problematischen“ Aspekten menschlicher Eigenschaften.

In einer Replikation konnte dieser Zusammenhang für die Gesamtgruppe jedoch nicht mehr nachgewiesen werden, was möglicherweise auch an ungünstigen Umgebungsvariablem bei der Testung der hypnotischen Suggestibilität gelegen haben mag. Allerdings zeigte sich dieser Zusammenhang für Hochsuggestible dann, wenn Dissoziationswerte als weitere Moderatorvariable mit berücksichtigt wurden. Veröffentlicht in:

  • Staudacher, M., Hagl, M., Piesbergen, C., & Peter, B. (2012). Sind Hypnotisierbarkeit und Bindung doch unkorreliert? Bericht über einen Replikationsversuch. Hypnose-ZHH, 7(1+2), 81-98.

  • Staudacher, M., Hagl, M., Piesbergen, C., & Peter, B. (2013). Was macht uns empfänglich für Hypnose. Über den Zusammenhang zwischen Hypnotisierbarkeit, Bindungseinstellungen und Dissoziationsneigung. Deutsche Zeitschrift für zahnärztliche Hypnose, (1), 20-24.

Ergebnisse: Die Ergebnisse weisen auf einen schwachen Zusammenhang zwischen Dissoziation und hypnotischer Suggestibilität hin, wie er in der Literatur z. T. beschrieben ist. Im Gegensatz zu Peter et al. (2011, 2012) stehen aber weder die berichteten Bindungseinstellungen, noch der daraus resultierende Bindungstyp mit der hypnotischen Suggestibilität in Beziehung. Auch in der Subgruppe der hochsuggestiblen Personen zeigt sich kein Zusammenhang zu den Bindungseinstellungen. Jedoch findet sich nach einem Mediansplit anhand der Dissoziationswerte in der hoch dissoziativen Teilgruppe signifikant mehr Zustimmung zur RSQ-Skala Fehlendes Vertrauen, als in der Gruppe der hoch Suggestiblen mit niedrigen Dissoziationswerten. Kontexteffekte oder Stichprobenunterschiede als mögliche Erklärung für den gescheiterten Replikationsversuch werden als eher unwahrscheinlich diskutiert. Zur weiteren Klärung sollte eine noch differenziertere Analyse möglicher Subtypen anhand der Moderatorvariablen erfolgen. 

3.2 Hypnotisierbarkeit, Bindung, Persönlichkeit und Geschlecht

Neugierig geworden, haben wir weiter nach möglichen Moderatorvariablen geforscht: Wenn der Bindungsstil allein nicht aussagekräftig genug ist, Hypnotisierbarkeit zu erklären, könnten Persönlichkeitsstile eine zusätzliche Rolle spielen? Wir nutzten die Möglichkeit einer anderen Untersuchung an 99 Gymnasiasten zum Zusammenhang zwischen Hypnotisierbarkeit und Intelligenz, auf die weiter unten noch eingegangen werden wird, und haben diesen Schülern im Alter zwischen 15 und 19 Jahren auch den RSQ und den PSSI vorgelegt. Weil das Geschlechterverhältnis gut ausgeglichen war, haben wir die Daten auch im Geschlechtervergleich analysiert und bemerkenswerte Ergebnisse erhalten, die veröffentlicht werden in:

  • Peter, B., Vogel, S. E., Prade, T., Geiger, E., Mohl, J. & Piesbergen, C. (2014). Hypnotisability, personality style and attachment. An exploratory study. Part 1: General results. American Jounal of Clinical Hypnosis. 57(1), 13-40.
  • Peter, B., Prade, T., Vogel, S. E., Geiger, E., Mohl, J. & Piesbergen, C. (2014). Hypnotisability, personality style and attachment. An exploratory study. Part 2: Results with particular focus on sex. American Jounal of Clinical Hypnosis. 57(1), 41-56
  • Peter, B., Prade, T., Geiger, E. & Piesbergen (2017). Hypnotisierbarkeit, Persönlichkeits- und Bindungsstil bei 15-19-jährigen Schülern. Hypnose-ZHH, 12(1+2), 141-172.

Uns interessiert, ob bestimmte Bindungs- und Persönlichkeitsstile als Moderatorvariablen taugen, hypnotische Suggestibilität zu erklären. In Thesenform zusammengefasst lauten unsere Ergebnisse, die wir von 99 Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren bei ausgeglichener Geschlechterverteilung gewonnen haben:

Bindungsstil – Persönlichkeitsstil – Hypnotisierbarkeit

1. Dieser Persönlichkeitsstil hilfsbereit-selbstlos (SL) erweist sich in Bezug auf die Gesamtgruppe (Männer und Frauen) mit 11% Varianzaufklärung ebenfalls als bester Prädiktor zur Vorhersage für hypnotische Suggestibilität. Dieser Zusammenhang in der Gesamtgruppe wird aber durch den Bindungsstil entscheidend moderiert: er zeigt sich hauptsächlich bei den sicher Gebundenen und erklärt dann 30% der Varianz bei hypnotisch hoch und mittel suggestible Personen.

2. Bei unsicherem Bindungsstil dagegen, wiederum in Bezug auf die Gesamtgruppe, ist es der Persönlichkeitsstil ahnungsvoll-schizotypisch (ST), der 12% Varianz der hypnotischen Suggestibilität erklärt. Hochsuggestible sind bei unsicherem Bindungsstil also signifikant ahnungsvoll-schizotypisch, ganz im Gegensatz zu den sicher gebundenen Hochsuggestiblen, die am wenigsten ahnungsvoll-schizotypisch sind.

Geschlecht – Persönlichkeitsstil – Hypnotisierbarkeit

3. Unter den Hochsuggestiblen gibt es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede hinsichtlich Persönlichkeitsstil und Suggestibilität, das heißt, hochsuggestible Männer gleichen in ihrem Persönlichkeitsprofil ganz allgemein hochsuggestiblen Frauen.

4. Bei den Frauen zeigen sich keine Zusammenhänge zwischen Suggestibilität und Persönlichkeitsstil; die Persönlichkeitsprofile der hoch, mittel und niedrig suggestiblen Frauen unterscheiden sich nur wenig voneinander.

5. Bei den Männern hingegen zeigen sich Zusammenhänge zwischen Suggestibilität und Persönlichkeitsstil: Die Persönlichkeitsprofile der hoch, mittel und niedrig suggestiblen Männer unterscheiden sich sehr voneinander.

6. Im Einzelnen sind niedrig suggestible Männer

- im Vergleich zu den hochsuggestiblen Männern weniger spontan-borderline (BL), weniger selbstkritisch-selbstunsicher (SU) – beides schon jenseits der normalen Standardabweichung sowie weniger hilfsbereit-selbstlos (SL); und sie haben die höchsten Werte bei selbstbehauptend-antisozial (AS);

- im Vergleich zu niedrig suggestiblen Frauen signifikant wenig ahnungsvoll-schizotypisch (ST), weniger spontan-borderline (BL), weniger selbstkritisch-selbstunsicher (SU) und wenig loyal-abhängig (AB).

- Auch mittelsuggestible Männer sind im Vergleich zu mittelsuggestiblen Frauen weniger selbstkritisch-selbstunsicher (SU) und weniger loyal-abhängig (AB).

7. Hochsuggestible Frauen und hochsuggestible Männer haben ähnlich hohe Werte im Persönlichkeitsstil selbstlos-hilfsbereit (SL). Bei den Männern insgesamt erweist sich dieser selbstlos-hilfsbereite Persönlichkeitsstil mit 40% Varianzaufklärung sogar als der beste Prädiktor für hypnotische Suggestibilität.

Geschlecht – Bindungsstil – Persönlichkeitsstil

8. Der in der Bindungs-Literatur häufig nachgewiesene Befund, dass unsicher gebundene Menschen psychopathologisch auffälliger bzw. vulnerabler sind als sicher gebundene, konnte auch von uns bestätigt werden durch das Aufzeigen eines Zusammenhangs zwischen unsicherem Bindungsstil und bestimmten Persönlichkeitsstilen, die – in extremer Ausprägung – eine psychopathologische Konnotation beinhalten wie spontan-borderline (BL), selbstkritisch-selbstunsicher (SU), loyal-abhängig (AB), still-depressiv (DP) und hilfsbereit-selbstlos (SL). Die geschlechtsspezifische Auswertung zeigte jedoch, dass dieser Zusammenhang nur für die Frauen zutrifft, nicht für die Männer. Dieser überraschende Befund wird durch das folgende Ergebnis noch bekräftigt:

9. Vergleicht man die Persönlichkeitsprofile von Männern und Frauen nach Bindungsstil getrennt, so ergibt sich für die Persönlichkeitsstile selbstkritisch-selbstunsicher (SU) und loyal-abhängig (AB) eine nach dem Rollenklischee erwartete aufsteigende Hierarchie: sicher gebundene Männer mit geringster Ausprägung / unsicher gebundene Männer und sicher gebundene Frauen mit mittlerer Ausprägung / unsicher gebundene Frauen mit höchster Ausprägung. Das heißt, sicher gebundene Männer sind am wenigsten, unsicher gebundene Frauen am stärksten selbstkritisch-selbstunsicher und loyal-abhängig.

Dieser letzte Befund wäre etwas verstörend, wenn man ihn allgemein, d.h. für alle Frauen und Männer geltend, interpretieren würde. Deshalb möchten wir erneut an die altersmäßige Beschränkung unserer Stichprobe erinnern, die aus 15- bis 19-jährigen Gymnasiasten bestand. Man könnte vermuten, dass sich die seelische Verfassung von Jugendlichen in dieser Phase der Spätpubertät je nach Geschlecht unterscheidet. Unsere Ergebnisse sind daher durch eine neue Stichprobe mit einem anderen Altersquerschnitt zu überprüfen.

Geschlecht – Bindungsstil – Persönlichkeitsstil - Hypnotisierbarkeit

10. Sowohl in Bezug auf die Gesamtgruppe allgemein als auch bei den sicher gebundenen Hochsuggestiblen beiderlei Geschlechts zeigen sich zwei Spitzenwerte in den Persönlichkeitsstilen liebenswürdig-histrionisch (HI) und optimistisch-rhapsodisch (RH), die uns veranlassen, von einem hypnophilen Persönlichkeitstyp zu sprechen. Diese Spitzenwerte finden sich nicht bei den unsicher Gebundenen beiderlei Geschlechts.

Diese beiden letzten Ergebnisse lassen sich folgendermaßen interpretieren: Es scheint zwei Gruppen Hochsuggestibler zu geben, die sich anhand ihres Bindungsstils unterscheiden:

- Die sicher gebundenen Hochsuggestiblen beiderlei Geschlechts stellen die große Gruppe der liebenswürdig-optimistischen und hilfsbereiten Hypnophilen dar, die gut mit dem soziokognitiven Erklärungsmodell der Hypnose beschrieben werden können.

- Von diesen können die unsicher gebundenen Hochhypnotisierbaren unterschieden werden; mit einem ahnungsvoll-schizotypischen Persönlichkeitsstil scheinen sie eine psychopathologisch vulnerable Gruppe darzustellen. Zur ihrer Beschreibung scheinen die Dissoziationstheorien der Hypnose besser geeignet.

3.3 Hypnotisierbarkeit und Intelligenz

Nach mehr oder weniger fruchtlosem Suchen wurde Ende der 1970er Jahre die Suche nach Zusammenhängen zwischen Hypnotisierbarkeit und Intelligenz eingestellt, möglicherweise auch unter der sozialpolitischen Einstellung der damaligen Zeit, dass Unterschiede zwischen den Menschen hauptsächlich als kulturell bzw. erziehungsbedingt aufgefasst wurden. Im Rahmen der allgemeinen Fragestellung zur Hypnotisierbarkeit interessierte mich diese spezifische Fragestellung aber erneut und deshalb initiierte ich folgende Untersuchung:

  • Geiger, E., Peter, B., Prade, T., & Piesbergen, C. (2014). Intelligence and hypnotic susceptibility: Is there a connection? International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 62(3), 1-20.

92 Gymnasiasten und acht Realschüler im Alter von 15 bis 19 Jahren wurden mit dem I-S-T 2000 R hinsichtlich Intelligenz und mit der HGSHS:A bezüglich ihrer hypnotischen Suggestibilität getestet. Für die nach Geschlecht unselegierte Gesamtstichprobe zeigten sich keine Korrelationen, weil die negativen Korrelationen bei den Männern die positiven Korrelationen der weiblichen Teilnehmer aufheben. Diese sind für den Gesamtwert der Intelligenz signifikant (r= .288) und für die Unterkategorie verbale Intelligenz sogar hochsignifikant (r= .348), nicht aber für die Kategorie numerische und figurale Intelligenz. Frauen verfügen offenbar über eine bessere Fähigkeit, verbal vermittelte semantische Inhalte imaginativ zu verarbeiten. Sie verfügen – zumindest in der Adoleszenz – wohl auch über eine höhere aufgabenbezogene Motivation als Männer.

3.4 Gibt es eine „hypnophile“ Persönlichkeit?

In verschiedenen Hypnose-Untersuchungen, in denen wir u.a. auch den PSSI benutzt hatten, zeigten sich durchgängig zwei Spitzen in den Persönlichkeitsstilen HI: liebenswürdig-histrionisch und RH-optimistisch-rhapsodisch. Dass diese Spitzen etwas Besonderes waren bzw. sind, fiel uns erst auf, als wir die Daten von Barbara Bochter anschauten:

  • Bochter, B., Hagl, M., Piesbergen, C., & Peter, B. (2014). Persönlichkeitsstile von Psychologiestudierenden im Vergleich zu Studierenden sogenannter MINT-Fächer. Report Psychologie, 39(4), 154-165.

Eigentlich wollten wir nur herausfinden, ob sich Psychologiestudierenden (N = 99) von Studierenden sog. MINT-Fächer (mathematisch, ingenieurswissenschaftlich, naturwissenschaftlich und technisch) (N = 214) in ihrem PSSI-Profil unterscheiden, denn über die Persönlichkeit von Psychologen und Psychologinnen, und auch schon von Studierenden dieses Fachs existieren Vorurteile – wie auch über Angehörige anderer Studiengänge und Berufe. Die Belege zu tatsächlichen typischen Unterschieden zwischen den Studiengängen sind jedoch spärlich. In der vorliegenden Internet-Erhebung an 313 Studierenden fanden sich zu unserem Erstaunen kaum nennenswerte Unterschiede. Insgesamt gab es damit keine Hinweise auf typische Persönlichkeitszüge von Psychologiestudierenden. Diese Daten unterschieden sich aber in einem Punkt von den Daten der bislang von uns Untersuchten: Es fehlten die beiden HI- und RH-Spitzen. Der Unterschied war leicht zu finden: Bochters Untersuchung war völlig losgelöst von unserem üblichen Kontext „Hypnose“ und natürlich wurde auch das Wort „Hypnose“ nirgends erwähnt. Alle anderen PSSI-Untersuchungen (mit den beiden HI- und RH-Spitzen) hingegen standen im Zusammenhang mit bzw. erwähnten explizit den Begriff „Hypnose“. Natürlich müssen wir dieses erste Ergebnis noch differenzierter untersuchen und mit anderen Daten untermauern. Erste Hinweise auf dieses Ergebnis haben wir aber schon gegeben in folgenden Veröffentlichungen:

  • Prade, T., Geiger, E., & Peter, B. (2014). Persönlichkeitsstile und Studien- bzw. Berufswünsche jugendlicher Schüler und Schülerinnen, die sich für Hypnose interessieren. (Personality and career aspiration of adolescent students interested in hypnosis). Hypnose-ZHH, 9 (45-67).

Siehe hierzu auch:

  • Peter, B., Prade, T., Vogel, S. E., Geiger, E., Mohl, J. & Piesbergen, C. (in press). Hypnotisability, personality style and attachment. An exploratory study. Part 2: Results with particular focus on sex. American Jounal of Clinical Hypnosis, 57(1), 41-56

oder:

  • Peter, B., Prade, T., Geiger, E. & Piesbergen (2017). Hypnotisierbarkeit, Persönlichkeits- und Bindungsstil bei 15-19-jährigen Schülern. Hypnose-ZHH, 12(1+2), 141-172.

Das Thema der „hypnophilen Persönlichkeit“ bzw. des „Homo hypnoticus“ beschäftigt uns weiterhin. Deshalb haben wir weitere Daten gesammelt, die noch nicht alle ausgewertet sind. Bislang liegen aber folgende Artikel vor:

Die Daten des in FrontIers of Psychology publizierten erste Artikels waren u.a. gedacht als Kontrolldaten, mit denen wir das Persönlichleitsprofil „unserer“ Hynophilen vergleichen wollten, denn diese Daten wurden in einem „hypnose-freien“ Kontext gesammelt und unterlagen somit nicht einem durch den Begriff „Hypnose“ hervorgerufenen Selektionsmarker wie die meisten unserer anderen Daten:

  • Peter, B., Böbel, E., Hagl, M., Richter, M., & Kazén, M. (2017). Personality styles of German-speaking psychotherapists differ from a norm, and male psychotherapists differ from their female colleagues. Frontiers in Psychology, 8, 840. doi:10.3389/fpsyg.2017.00840

Variables pertaining to the person of the psychotherapist have been neglected in psychotherapy research for some time. Concerning personality in particular, however, research has mostly focused on its relation with the psychotherapist’s choice of method, or differences between the various major therapy approaches. That is, psychotherapists were compared to each other without specifying how exactly psychotherapists are in comparison to “ordinary people.” We wanted to know: Are there specific personality styles that distinguish psychotherapists from the norm? A sample of 1,027 psychotherapists from Germany, Austria, and Switzerland filled out the short version of the Personality Style and Disorder Inventory (PSDI-S) via online survey. The PSDI-S is a self-report questionnaire that assesses 14 personality styles, partly related to the non-pathological equivalents of classifiable personality disorders. The psychotherapists were compared to a normative sample of 3,392 people of different professions. The results could be divided into three groups:

(1) Large differences in four personality styles that might contribute to relationship skills and may enable psychotherapists to put their own personal opinion aside, show empathy and appreciation, open themselves to the emotional experience of the patient, and provide a trusting relationship.

(2) Moderate differences in seven personality styles that are equally indicative of the professional social skills of the psychotherapists, i.e., they were neither submissive nor passive, not excessively helpful, but also not too self-assertive.

(3) Hardly any or no differences regarding a charming (histrionic) style, optimism, and conscientiousness. Gender-specific results revealed that male psychotherapists differed from their female colleagues, but they did so differently than men and women in the normative sample do.

The main limitations were that we relied on self-report and did not statistically control for gender, age, and education, when comparing to the norm. As a conclusion, German-speaking psychotherapists show personality styles that we interpret as functional for psychotherapeutic practice but this needs corroboration from studies that use different methods and measures.

Dieser Artikel kann kostenlos heruntergeladen werden von http://bit.ly/2si794R

Als allerletzte Frage – nachdem alle anderen Fragen beantwortet und auf dem Server gespeichert worden waren – hatten wir diese 1027 psychotherapeutisch Tätigen noch gefragt, ob sie in ihrer Arbeit auch Hypnose anwenden. Und hierbei zeigten sich nochmals Unterschiede, ebenso in Bezug auf die Anwendung anderer psychotherapeutischer Verfahren. Diese Ergebnisse sind veröffentlich in:

  • Peter, B., Böbel, E., Hagl, M., Richter, M., & Kazén, M. (2018). Unterschiede in den Persönlichkeitsstilen von psychotherapeutisch Tätigen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Abhängigkeit vom psychotherapeutischen Verfahren und der Verwendung von Hypnose. Hypnose-ZHH, 13(2), 169-192.

In einer 2015 durchgeführten Online-Erhebung machten 1027 psychotherapeutisch Tätige aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Angaben zu ihrer Person und beruflichen Tätigkeit und beantworteten 56 Fragen der Kurzversion des Persönlichkeits-Stil- und Störungsinventars (PSSI). In den Persönlichkeitsprofilen zeigten sich folgende Unterschiede:

(1) Deutsche psychotherapeutisch Tätige sind weniger ahnungsvoll/schizotypisch als die in Österreich und der Schweiz;
(2) ältere psychotherapeutisch Tätige, die überwiegend mit Psychoanalyse, mit anderen analytischen Verfahren oder mit Gesprächspsychotherapie arbeiten, sind im Vergleich zu den jüngeren, die überwiegend mit Verhaltenstherapie oder systemischer Therapie arbeiten, mehr zurückhaltend/schizoid, mehr ehrgeizig/narzisstisch und mehr ahnungs-voll/ schizotypisch;
(3) psychoanalytisch Tätige sind mehr eigenwillig/paranoid als die mit Verhaltenstherapie Arbeitenden;
(4) verhaltenstherapeutisch Tätige sind weniger ahnungsvoll/ schizotypisch als mit Gesprächspsychotherapie oder „sonstigen Verfahren“ Arbeitende;
(5) mit „sonstigen Verfahren“ Arbeitende sind mehr optimistisch/rhapsodisch als psychoanalytisch oder mit anderen analytischen Verfahren Arbeitende.
(6) Jene, die auch Hypnose anwenden, sind weniger passiv/depressiv, aber mehr optimistisch/rhapsodisch.

Die Ergebnisse widersprechen populärwissenschaftlichen Annahmen und zeigen die psychotherapeutisch Tätigen als gesunde und „gestandene“ Persönlichkeiten.

Weitere Ergebnisse zeigten zusätzlich eine deutliche Ausprägung im Persönlichkeitsstil Schizotypie. Darauf wurde – allerdings nur deskriptiv – schon hingewiesen in verschiedenen Kongressvorträgen, z.B. 2017 auf dem ESH-Kongress in Manchester, 2018 auf dem ISH-Kongress in Montreal und auf der MEG-Jahrestagung in Bad Kissingen. Der Kissinger-Vortrag ist ausformuliert und veröffentlicht in:

  • Peter, B. (2018). 40 Jahre M.E.G. Kommt jetzt die Midlifecrisis? Zum Schizotypie- und Laien-Problem der Hypnose. Hypnose-ZHH, 13(1), 5-28.

Nach Darstellung der Erfolge, welche die M.E.G. bzw. ihre verantwortlichen (Vorstands-) Mitglieder in den letzten 40 Jahren erreicht haben, wird die geringe Akzeptanz der Hypnose und Hypnotherapie in der Wissenschaft wie auch in der Medizin beklagt. Als möglicher Grund hierfür wird die Esoterik-Nähe der Hypnose postuliert. Diese These wird mit Belegen aus der Geschichte der Hypnose sowie mit aktuellen Daten zum schizotypischen Persönlichkeitsstil derjenigen, die sich speziell für Hypnose interessieren, untermauert. Als Folgerungen hieraus werden genannt und diskutiert:
(1) Mehr wissenschaftliche Forschung,
(2) ein sorgsamer Umgang bzw. eine präzisere Definition des Begriffs Hypnose und
(3) eine klare Abgrenzung zur Laienhypnose.

 

4. Geschichte

Viele der früheren Arbeiten von B. Peter beschäftigen sich mit der Geschichte der Hypnose in Deutschland. Anlässlich des 15. Internationalen Kongresses für Hypnose, den er 2000 in München organisiert hatte, hat er ein ganzes Heft der Zeitschrift Hypnose und Kognition diesem Thema gewidmet. In diesem Heft wurde auch die erste Version des historischen Grundlagenartikels veröffentlicht, der später mehrfach in überarbeiteter Form, u.a. im Hypnosemanual von Revenstorf und Peter wieder abgedruckt wurde:

  • Peter, B. (2000). Zur Geschichte der Hypnose in Deutschland. Hypnose und Kognition, 17(1+2), 47-106.

4.1 Franz Anton Mesmer contra Johann Joseph Gaßner

Der Beginn der modernen Psychotherapie wird häufig auf das Jahr 1775 datiert, nämlich auf den Übergang von Johann Joseph Gaßners Exorzismus zu Franz Anton Mesmers Magnetismus, wobei Gaßners Exorzismus gewissermaßen das psychotherapeutische Mittelalter und Mesmers Magnetismus die therapeutische Neuzeit repräsentieren. Diese Sichtweise stellt B. Peter in Frage und zeige auf, dass Gaßners therapeutischer Ansatz viel elaborierter und eher psychologisch orientiert war als Mesmers, dessen Techniken rein medizinisch orientiert waren. Gaßners Methoden hingegen können nach heutigem Verständnis von psycho- und hypnotherapeutischen Techniken als eine besondere Art hypnotischen Trainings in Selbstkontrolle gewertet werden. In dem Artikel

  • Peter, B. (2000c). Hypnotische Selbstkontrolle: Die wirksame Therapie des Teufelsbanners Johann Joseph Gaßner um 1775. Hypnose und Kognition, 17(1+2), 19-34.

wird zunächst Gaßners spezielle Form des Exorzismus beschrieben, um zu zeigen, dass es sich in Wahrheit um eine frühe Form von „Hypnotherapie“ handelte. Dann werden einige Informationen zu seiner Person und jenen sozio-kulturellen Faktoren gegeben, welche die Auseinandersetzung über seine Theorie und Prozedur bestimmten. In diese heftigste Auseinandersetzung der Aufklärung um 1775 in München spielte Mesmer eine wichtige Rolle. In der Diskussion begründe ich, warum Gaßner anstatt Mesmer an den Beginn moderner Psychotherapie gesetzt werden sollte und konsequenterweise dann den Vorläufer des modernen Hypnotismus darstellt.

Weitere Details zu der Auseinandersetzung zwischen den Münchener Aufklärern und den Anhängern Gaßners finden sich in folgenden drei kleineren Beiträgen:

  • Peter, B. (2000). Zu den Anfängen der Hypnose und Psychotherapie in München (1: Die Ludwig-Maximilians-Universität und ihr Student Franz Anton Mesmer. 2: Der Teufelsbanner Pater Johann Joseph Gaßner und die Münchner Universität. 3: Die Bayerische Akademie der Wissenschaften, Franz Anton Mesmer und der Streit um Pater Johann Joseph Gaßner). Hypnose und Kognition (Abstract-Band), 17(Supplement), 40-42.

4.2 Justinus Kerner

Ähnlich wie auf Gaßner kam ich durch das Sammeln und Lesen antiquarischer Bücher auf eine andere wichtige deutsche Figur in der Geschichte der Hypnose: den Weinsberger Arzt Justinus Kerner. (Seine „Geschichte zweyer Somnambülen“ war überhaupt das erste antiquarische Buch, das ich 1993 in Straßburg gekauft hatte.) In Kerners Beschreibung seiner Behandlung des „Mädchens von Orlach“ erkannte ich Ähnlichkeiten zu heutigen traumatherapeutischen Behandlungen dissoziativer Störungen. Das habe ich in einem Artikel dargestellt:

  • Peter, B. (2007c). Zur Geschichte der dissoziativen Identitätsstörung: Justinus Kerner und das Mädchen von Orlach. Hypnose-ZHH, 2(1+2), 117-132.

Weder in Deutschland noch international bekannt sind jene Fälle von „magisch-magnetischer“ Krankheit und Besessenheit, die von Justinus Kerner um 1830 ausführlich dokumentiert worden sind. Sie bieten genügend Anhaltspunkte, um sie als dissoziative Störungen, manche sogar als ausgesprochene dissoziative Identitätsstörung (früher Multiple Persönlichkeitsstörung) zu betrachten. Anhand der „Geschichte des Mädchens von Orlach“ soll diese historische Lücke gefüllt und Justinus Kerner in seiner Stellung als bedeutender deutscher Arzt des romantischen Somnambulismus und als früher (Hypno-) Therapeut für Dissoziative Identitätsstörungen gewürdigt werden.

4.3 Karl Christian Wolfart

Und schließlich der letzte und jüngste größere Geschichts-Artikel über den Fall eines sexuellen Missbrauchs im Zusammenhang mit dem Magnetismus Anfang des 19. Jahrhunderts in Berlin. Er baut auf einen früheren Artikel über diesen Fall auf:

  • Peter, B. (1995a). Magnetismus und Immoralität, oder das schnelle Ende des Magnetismus in Berlin um 1819/20. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, 45(8), 266-276.

Zusammen mit meiner Frau Alida habe ich weiter recherchiert und diesen “Fall Wolfart” in einen umfassenden soziokulturellen und berufspolitischen Kontext gestellt, um die Entwicklung der therapeutischen Beziehung nachzuzeichnen, die ja als wichtiger Wirkfaktor in der Psychotherapie angesehen wird. Diese Sichtweise hat sich allerdings erst relativ spät entwickelt. In Mesmers animalischem Magnetismus wurde die psychische Komponente dieser Beziehung noch völlig ignoriert. Zwei Bücher aus den Jahren 1821 und 1822 schildern konträre Sichtweisen eines Skandals in Berlin um einen mutmaßlichen sexuellen Missbrauch im Zusammenhang mit dem animalischen Magnetismus. Anhand dieses „Falles Wolfart“ werden verschiedene Rahmenbedingungen geschildert, die zeigen, wie schwer sich die Psychotherapie in ihrer Anfangszeit tat, ihren Gegenstand allgemein sowie den Faktor der Beziehung im Besonderen zu definieren. Dargestellt werden psychopathologische, soziokulturelle, politische, wissenschaftliche und berufspolitische Aspekte. Die dem orthodoxen Mesmerismus inhärenten Probleme beim physikalisch verstandenen Rapport konnten nur dadurch gelöst werden, dass im Verlauf des romantischen Somnambulismus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein neues psychologisches Verständnis gefunden wurde, welches der psychischen Dimension des magnetischen Rapports bzw. der therapeutischen Beziehung überhaupt erst einen Stellenwert einräumte.

  • Peter, B. & Jost-Peter, A. (2014). Der „Fall Wolfart“ oder Das Problem mit dem magnetischen Rapport. Zur Entwicklung der therapeutischen Beziehung in den Anfängen der Psychotherapie. Hypnose-ZHH, 9(1+2), 169-207

4.4 Sigmund Freud

Es wird häufig angenommen, dass Sigmund Freuds Kritik an der Hypnose im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einer Blockierung der Hypnoseentwicklung sowie zu einem Rückgang ihrer therapeutischen Bedeutung im deutschen Sprachraum geführt hat, welche bis in die heutige Zeit hineinwirkt. Dieser destruktive Einfluss Freuds soll durch eine genauere Betrachtung der Freudschen Haltung zur Hypnose hinterfragt werden. Zudem wird aufgezeigt, inwieweit diese Annahme gerechtfertigt ist. Freud setzte sich als einer der ersten deutschsprachigen Forscher trotz zeitgenössischer Skepsis mit Hypnose auseinander. Seine Erfahrungen und Entdeckungen mit Hypnose sowie seine vermutlich geringe Affinität zur Hypnose führten ihn zur Entwicklung der Psychoanalyse, während er der Hypnose eine immer geringere Bedeutung zusprach. Später zeigte sich jedoch, dass seine Haltung zur Hypnose trotz allem von Akzeptanz und Anerkennung geprägt war, sodass er sie als therapeutisches Hilfsmittel neben der Psychoanalyse gelten lassen konnte. Freud war der Hypnose gegenüber nicht ausschließlich negativ, aber stets kritisch eingestellt. Als sich die Psychoanalyse als alternative Therapieform etabliert hatte, konnte er der Hypnose wieder mehr Anerkennung zollen.

  • Schröter, J., Peter, B., & Helle, M. (2013). Sigmund Freuds Einstellung zur Hypnose. Hypnose-ZHH, 8(1+2), 131-144.


  • Peter, B., & Lenhard, C. (2016). Hat die Psychoanalyse die Hypnose verdrängt? Eine quantitative Untersuchung anhand der Publikationsraten 1884 bis 1969. Hypnose-ZHH, 11(1+2), 211-232.

Um die Hypothese zu testen, dass die Psychoanalyse zu einem Niedergang der Hypnose geführt habe, wurden die Publikationsraten von Hypnose und Psychoanalyse für die Zeit von 1890 bis 1969 zueinander in Beziehung gesetzt. Zwei Bibliographien wurden benutzt: Die von Dietrich Langen (1974) herausgegebene „Bibliographie der Hypnose 1890 – 1969“ mit insgesamt 3422 deutschsprachigen Einträgen und der „Index of Psychoanalytic Writings“ von Alexander Grinstein (1956-1975), aus dem 1446 deutsche Einträge für die Zeit von 1900 bis 1969 gesichtet wurden. Eine insgesamt positive Korrelation von r=.471 zeigt, dass die oben erwähnte Hypothese nicht zutreffend sein kann. Bei genauerer Betrachtung zeigen die Kurven der Publikationsraten jedoch drei unterscheidbare Perioden, für die unterschiedliche Korrelationen berechnet werden können. Die Ergebnisse zeigen (1) eine signifikante negative Korrelation von r=-.592 für 1900-1913, welche durch zwei (nicht notwendigerweise kausal verbundene) Ereignisse erklärt werden kann: Den Niedergang der Hypnose seit 1888 und der Anstieg der Psychoanalyse seit 1908; (2) eine hochsignifikante positive Korrelation von r=.772 für 1914-1945, die darauf zurückgeführt werden kann, dass während und gegen Ende des Ersten Weltkrieges sowohl Hypnose wie Psychoanalyse gleichermaßen zur Behandlung von „Kriegsneurosen“ eingesetzt wurden und dass etwa um die Weltwirtschaftskrise 1929 die Publikationsraten beider Verfahren rapide absanken bis zu einem absoluten Nullpunkt Ende des Zweiten Weltkrieges; (3) eine nicht-signifikante Korrelation von r=.392 für die Nachkriegszeit 1946-1969. Die verschiedenen Korrelationen werden nicht nur in Bezug auf Veränderungen innerhalb des Feldes der Psychotherapie interpretiert, sondern es werden auch die sozio-ökonomischen und politischen Kontextbedingungen dieser Zeitspanne mit berücksichtigt.

4.5 Pierre Janet

Pierre Janet, ein Zeitgenosse Sigmund Freuds, ist eine für die Hypnose wichtige Persönlichkeit. Auf ihn gehen wichtige Prinzipien der heutigen Traumatherapien, das Konzept der Dissoziation und der Grundgedanke des „imaginativen Überschreibens“ („Imagery Rescripting“) der Schematherapie zurück. Um Janets Rolle hervorzuheben und ihn zu würdigen, hat Hypnose-ZHH 2018 in zwei frühe Arbeiten von ihm abgedruckt: seinen allerersten Artikel, in dem er sich mit „Hypnose aus der Ferne“ beschäftigt – ein Thema, das er bald wieder fallen ließ, weil er es als mit wissenschaftlichen Mitteln nicht gut erforschbar hielt –, und seine berühmte Fallbeschreibung der „Marie“.

  • Janet, P. (1885/2018). Mitteilung einiger Phänomene des Somnambulismus. Hypnose-ZHH, 13(1) 85-95, Original: Bulletins de la société de psychologie physiologie, I, 24-40.

Dies ist der erste von acht Artikeln zwischen 1885 und 1888 (eigentlich sind es nur 6, denn die beiden ersten wurden in einer anderen Zeitschrift nur abgedruckt), in denen Pierre Janet (1859-1947) seine Beobachtungen an einer Versuchsperson beschrieb, die im somnambulen Zustand außergewöhnliche Phänomene zeigte, insbesondere ihre Beeinflussbarkeit durch „Hypnose aus der Ferne“. Bei dem vorliegenden Fall der Madam B. handelt es sich um jene „Léonie“ [Leboulanger, 1837–190?], die von Ellenberger (1985, S. 458) erwähnt wird. Bald distanzierte sich Janet jedoch von den Schlussfolgerungen, die er und andere (z.B. Charles Richet und Henri-Étienne Beaunis, deren Artikel im nächstjährigen Heft von Hypnose-ZHH 2019 abgedruckt werden) aus diesen Beobachtungen zogen, weil er den experimentellen Ansatz zur Untersuchung dieser „para- bzw. meta-psychologischen“ Phänomene als nicht mehr wissenschaftlich anerkennen konnte. Schon in seiner philosophischen („L' Automatisme psy­cho­logique“; Janet, 1888) und dann auch in seiner medizinische Dissertation (Janet, 1894) er­wähnt er diese „Jugendsünden“ nicht mehr. Evrard, Pratte und Cardeña (2018) führen das u.a. auf sein Bemühen zurück, in der wissenschaftlichen Orthodoxie Fuß zu fassen und dort respektable Positionen zu erreichen, z.B. am Collège de France und an der Sorbonne. In den USA und den Niederlanden (leider nicht in den deutschsprachigen Ländern) steht Janet in seiner Bedeutung gleichberechtigt neben Sigmund Freud.

Seine Arbeiten bilden u.a. die Grundlage der heutigen Traumatherapien, ebenso der jüngsten verhaltenstherapeutischen Technik des „imaginativen Überschreibens“ (siehe seine Fallbeschreibung der „Marie“ im Heft 2 dieser Zeitschrift Hypnose-ZHH 2018). (B. Peter)

  • Janet, P. (1889/2018). „Les Possessions“. Der Fall „Marie“ (1889) als frühes Beispiel einer „imaginativen Überschreibung“ unter Hypnose. Hypnose-ZHH, 13(2), 81-88; Original in L'Automatisme psychologique. Essai de psychologie expérimental sur les formes inférieures de l´activité humaine (S. 435-443). Paris: Alcan.

„Marie“ ist der zweite Fall von Pierre Janet (1859-1947), in dem er ein Verfahren beschreibt, das heute – allerdings ohne Nutzung von Hypnose bzw. hypnotischer Altersregression – unter der Bezeichnung „imaginative Überschreibung“ („Imagery Rescripting“) in der Schematherapie mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Bei Janet hingegen ist die Induktion eines hypnotisch-somnambulen Zustandes zur Re- bzw. Neu-Konstruktion des Traumas Selbstverständlichkeit (ähnlich wie im ersten Fall der „Lucie“ oder in späteren Fällen wie z.B. dem der „Justine“. Diese Fallbeschreibung der „Marie“ ist eingebettet in den Abschnitt „IX: Die Besessenheit“ (Les Possessions) (S. 435-443) aus „Kapitel III: Verschiedene Formen der psychologischen Dissoziation“ (Désagrégation) seines Buches „Psychische Automatismen“ (L'Automatisme psychologique, 1889), in dem er seine Theorie der Entstehung von Symptomen darlegt, die sich von Sigmund Freuds Theorie unterscheidet: Freud geht von einem kohärenten Ich (-Bewusstsein) aus, von dem jene Anteile aktiv und unter Aufwendung von psychischer Energie „verdrängt“ werden, welche dort – z.B. wegen ihres traumatischen Charakters – keinen Platz finden können. Bei Janet hingegen entsteht das Ich aus der Synthese einzelner psychischer Elemente, welche durch die vorhandene (z.T. angeborene) psychische Kraft zusammen gefügt und gehalten (aggregiert) werden. Wenn diese Kraft nicht ausreicht und/oder wenn traumatische Einflüsse zu stark sind, kommt es zu einer „Désagrégation“, d.h. bestimmte Inhalte verlieren ihren Halt, „dissoziieren“ und führen so ein mehr oder weniger „automatisches“ weil vom Rest der Ich-Einheit isoliertes Dasein im Unterbewusstsein. „Marie“ hatte ab dem Alter von 13 einige traumatische Erfahrungen, welche Janet dadurch therapierte, dass er seine Patientin jeweils in die Zeit der Entstehung der Symptome zurückführte, ihr damaliges Bewusstsein in hypnotischer Trance durch neue Inhalte „substituierte“ und so ihr die Symptome produzierendes Erleben änderte. In der Diskussion vor und nach diesem Fallbericht macht Janet deutlich, dass solche Symptome bzw. unterbewussten „psychischen Automatismen“ leicht als Formen der Besessenheit (Possessions) gedeutet werden können. (B. Peter)

4.6 Hypnose im Nationalsozialismus

Mit den folgenden beiden Artikeln hat Burkhard Peter seine Beschäftigung mit der Geschichte der Hypnose in Deutschland (vorläufig) abgeschlossen. Beide Artikel beschäftigen sich mit der Hypnose im Dritten Reich:

  • Peter, B. (2015). Ist Hypnose hinreichend ein Verbrechen zu begehen? Die Kontroverse zwischen Mayer und Bürger-Prinz über den Heidelberger Hypnoseprozess 1936. Ein frühes Beispiel des Diskurses über den Bewusstseinszustand von Hypnotisierten. Hypnose-ZHH, 10(1+2), 7-26.

Anhand des Heidelberger Hypnoseprozesses 1936 werden zwei konträre Positionen zum Zustand von Hypnotisierten dargestellt. Der Heidelberger Hypnosearzt Ludwig Mayer, Hauptgutachter in diesem Fall, war der Überzeugung, dass das weibliche „Opfer“ von seinem männlichen „Täter“ durch Hypnose 7 Jahre lang in einem willenlosen Zustand gehalten wor- den sei und sich deshalb gegen die verschiedenen Vergehen, die an ihr und durch sie begangen worden sein sollen (sexueller Missbrauch, Prostitution und Mordversuch) nicht habe wehren können, weil sie unter hypnotischem Zwang gestanden habe. Der Hamburger Psychiater Hans Bürger-Prinz stellte diese Sichtweise in Frage, interpretiert das Geschehen allgemein- bzw. sozialpsychologisch und kann in seiner Argumentation auf die angeblichen Möglichkeiten der Hypnose zur Ausführung eines Verbrechens völlig verzichten. In diesem Diskurs zeigt sich prototypisch die Auseinandersetzung zwischen den Zustands- und Nicht-Zustandstheoretikern, die schon vor 1936 begonnen hatte und die Hypnose bis heute begleitet. Diese Auseinandersetzung über die potenziell kriminelle Macht der Hypnose wird mit Verweisen auf die wichtigsten Vertreter der einen und der anderen Position dargestellt.

  • Peter, B. (2016). Hatten die Nazis etwas gegen Hypnose? Hypnose-ZHH, 11(1+2), 99-134.

In verschiedenen Publikationen und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen wurde der Nationalsozialismus mit Hypnose und Suggestion in Verbindung gebracht. Bekannt ist, dass die Nationalsozialisten einige Hypnotiseure verfolgt bzw. ins KZ verbracht haben. Hieraus könnte man schließen, dass sie alle öffentliche Beschäftigung mit Hypnose zu unterdrücken suchten um zu verschleiern, dass sie selbst Meister der Hypnose und Suggestion waren. Zur Überprüfung dieser Hypothese wurde relevante Literatur gesichtet sowie weitere Quellen überprüft wie z.B. die NS-Presseanweisungen, die Tagebücher von Joseph Goebbels und ein Teil der Mitgliederdatei des „Göring-Institutes“. Als Ergebnis dieser Nachforschungen kann festgestellt werden, dass die Nationalsozialisten nichts Grundsätzliches gegen Hypnose hatten; wissenschaftliche und klinische Hypnose blieben von ihnen unbehelligt, wurden teilweise sogar gefördert. Wohl aber bekämpften sie in zwei großen Wellen 1937 und 1941 die Laien- und Bühnenhypnose – allerdings auch nur im Zusammenhang mit ihrem allgemeinen Kampf gegen den Okkultismus. Weil Hypnose seit Mesmers Zeiten eng mit Okkultismus verknüpft ist, kann das Verbot von Laien- und Bühnenhypnose als „Kollateralschaden“ dieses Kampfes angesehen werden.

4.7 Kurz-Biographien

zu:

  • Bernheim, Hippolyte Marie

  • Braid, James

  • Erickson, Milton H.

  • Forel, August

  • Langen, Dietrich

  • Liébeault, Auguste Ambroise

  • Mesmer, Franz Anton

  • Puységur, Marquis de

 

5. Weitere Arbeiten

  • Piesbergen, C., & Peter, B. (2005). Ergebnisse zum Verlauf des arteriellen Blutdrucks in Hypnose. Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin, 26(1), 52-69.

Die Ergebnisse dieser Grundlagenuntersuchung sollten auch Aufschluss darüber geben, ob Hypnose ein geeignetes Verfahren zur Blutdrucksenkung darstellen könnte. Zur Messung verwendet wurde ein Gerät zur kontinuierlichen non-invasiven Blutdruckmesssung. Im Ergebnis ruft die Einstufung als Normo- oder Hypertoniker zwar Unterschiede im Niveau nicht aber in der Charakteristik der Blutdruckverläufe hervor. Hypertoniker profitieren also genauso viel oder wenig von der Hypnosesitzung wie Normotoniker.

  • von Fischern, I., Kraiker, C., Peter, B., & Spörrle, M. (2005). Osteopathie und Hypnose - eine mögliche Kombination in der Schmerztherapie. Hypnose-ZHH, EH(1+2), 89-102.

Schmerzpatienten wurden in zwei osteopathischen Praxen entweder mit einer Kombination von Osteopathie und einer CD mit Entspannungsmusik oder mit einer Kombination von Osteopathie und einer hypnotherapeutischen CD behandelt. Die Behandlung beinhaltete drei Sitzung in der jeweiligen Kombination. Schmerzintensität, sensorisches und affektives Schmerzempfinden, allgemeine psychologische und physiologische Symptome und Lebenszufriedenheit wurden in Form des prä-post-Designs durch klinische Fragebögen vor der ersten und nach der dritten Sitzung mit kombinierter Therapie erfasst. Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Wirkung bezüglich all der gemessenen Variablen für die gesamte Gruppe der Patienten. Ein Unterschied zwischen den beiden Gruppen mit den verschiedenen CDs wurde nicht gefunden.

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